Igor Mitoraj — Centurione II (1986)
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Die Centurione II-Bronze aus dem Jahr 1986 ist eines der bekanntesten Kleinformatstücke von Igor Mitoraj. Ein dunkelpatinierter Teilkopf eines römischen Soldaten, sein Gesicht von einem horizontalen Band überquert, am Halsansatz mit MITORAJ signiert — ich besitze ein Exemplar und suche aktiv nach weiteren, insbesondere solche mit originalem Sockel oder Begleitdokumentation.
Identifizierung eines authentischen Centurione II
Der Centurione II (1986) lässt sich anhand mehrerer konsistenter Merkmale identifizieren. Der Guss ist ein Teilkopf — Stirn, Braue, Nase, Wangenknochen und Kinn sind sichtbar, die Augen durch das horizontale Band verdeckt. Die Signatur MITORAJ ist am unteren Halsansatz eingeritzt oder gestempelt (vordere Unterseite) — niemals auf der Rückseite des Kopfes oder auf dem Sockel. Die Auflagennummer ist auf der hinteren unteren Seite des Halses im Format NNN/1500 (z. B. 615/1500) oder für Hors-Commerce-Exemplare als HC NN/30 gestempelt. Das Gießerzeichen — typischerweise Fonderia Mariani, Pietrasanta oder Del Chiaro, Pietrasanta — erscheint auf der Rückseite. Einige Exemplare tragen ein kleines Münzmedaillon an der Seite des Halses, ein klassisches Kameo-Profil, das in die Bronze eingebettet ist und auf Mitorajs Interesse an der römischen Numismatik verweist.
Centurione II — Vollständige Spezifikationen
Maße (Bronze allein): 18,5 × 14 × 6 cm
Maße (mit Sockel): Gesamthöhe ca. 26–30 cm · Sockel typischerweise rechteckiger schwarzer Marmor oder Travertin, ca. 15 × 10 × 4 cm
Gewicht: ca. 2,5–3 kg Bronze allein; 4–6 kg mit Marmorsockel
Patinavarianten: Dunkelbraun-Schwarz (häufigste) · Verde/Grünoxid · vergoldet (selten, Galerieauflagen)
Münzmedaillon: bei manchen Güssen vorhanden; sein Vorhandensein deutet nicht auf ein früheres oder selteneres Exemplar hin
Die Auflage von 1500 ist groß nach zeitgenössischen Skulpturmaßstäben, obwohl die Mehrheit in Privatsammlungen übergegangen ist und echte Exemplare nicht so häufig bei Auktionen auftauchen, wie die Auflagengröße vermuten ließe. Jeder Guss wurde in der Gießerei individuell patiniert, signiert und nummeriert. Die Qualität des Pietrasanta-Bronzegusses ist durchgehend hoch — selbst spätere Güsse in der Auflage sind gut ausgeführte Objekte. HC-Exemplare (hors commerce) mit einer Nummer bis 30 gelten in Begehrtheit und Wert als gleichwertig mit der Hauptauflage.
Die originale Präsentationsbox
Viele Centurione II-Exemplare wurden ursprünglich mit einer Karton-Präsentationsbox verkauft — cremefarbig oder dunkel, schaumstoffgefüttert, mit dem Namen der Skulptur und Mitorajs Signatur auf dem Deckel aufgedruckt. Diese Box wird in den meisten Auktionskatalogen nicht erwähnt, aber ihr Vorhandensein ist ein bedeutendes Indiz für ein ungestörtes, privat gehaltenes Exemplar, das nie neu patiniert oder restauriert wurde. Exemplare, die mit der originalen Box in gutem Zustand ankommen, belegen das obere Marktsegment. Die Box selbst hat keinen eigenständigen Wert, signalisiert aber die Vollständigkeit des Werkes.
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Centurione — Mitorajs Ikonischer Römer
Centurione gehört zu Mitorajs bekanntesten Motiven: Kopf und Torso eines römischen Kriegers, zerbrochen und teilweise vergraben, als wären sie nach Jahrtausenden ausgegraben worden. Das Monumentalwerk Centurione I steht dauerhaft am Canary Wharf in London; ein zweiter großer Guss wurde in Bamberg aufgestellt. Kleinere Bronzeeditionen (typischerweise 50–70 cm) erscheinen regelmäßig bei europäischen Auktionshäusern und erzielen hohe Preise. Das Werk verdichtet Mitorajs zentralen Kunstgedanken — die klassische Zivilisation überlebt in Trümmern, gleichzeitig triumphierend und verletzt — und gilt daher als eines der gefragtesten Motive unter Sammlern.
Centurione I und Centurione II — Was sie unterscheidet
Die Nummerierung von Mitorajs Centurione-Editionen folgt keiner streng chronologischen Logik. Centurione II wurde 1986 aufgelegt; Centurione I erschien danach in seiner kleinformatigen Version. Der Unterschied ist kompositorischer, nicht sequenzieller Natur. Centurione II zeigt den Kopf in einer stärker frontalen Ausrichtung, das horizontale Verdeckungsband sitzt höher über der Stirn und ist etwas flacher — dadurch bleibt die obere Stirnpartie sichtbar, und das Gesicht wirkt konfrontativer, den Blick nach oben gerichtet. Centurione I ist ausgeprägter im Profil: Der Kopf dreht sich leicht zur Seite, das Band fällt tiefer über die Augenhöhlen, und die Gesamtwirkung ist introspektiver, der Blick nach innen gewandt.
Bei den großformatigen Monumentaleditionen tritt der Unterschied noch deutlicher hervor. Der in voller Größe aufgestellte Centurione I am Canary Wharf in London misst etwa zwei Meter; der Helmkamm fehlt, das Gesicht ist halb vom horizontalen Einschnitt verdeckt. Der monumentale Centurione II, gegossen für öffentliche Aufstellungen in Bamberg und andernorts, ist eine vollständigere Figur — der Helm stärker ausgearbeitet, Hals und obere Brust vorhanden. Beide übertragen sich in die kleinen Sammlereditionen mit annähernd gleichen Proportionen.
Was beide Editionen verbindet, ist das zentrale formale Konzept des römischen Centurionenhelms: Bei Mitoraj ist der Helm weitgehend intakt — Helmkamm, Wangenklappen und Nackenschutz sind vorhanden oder angedeutet —, doch das Gesicht, das der Helm schützen soll, ist abwesend, fragmentiert oder vom horizontalen Band geteilt. Der Schutz hat seinen Zweck überdauert. Der Helm ist eine Art Reliquiar, die Rüstung eines Körpers, der nicht mehr vorhanden ist. Diese Logik — dass Mitorajs Rüstungswerke immer von dem handeln, was die Rüstung schützen soll, nicht von der Rüstung selbst — zieht sich durch die gesamte Serie, vom kleinformatigen Centurione II bis zur monumentalen Corazza.
Ausstellungs- und Installationsgeschichte
Die Centurione-Serie erregte 1985 erstmals breite Aufmerksamkeit durch Mitorajs wegweisende Einzelausstellung in der Engelsburg in Rom — eine der bedeutendsten Solopräsentationen seiner Karriere, die im hadrianischen Mausoleum stattfand, das über Jahrhunderte als Festung, päpstliche Residenz und Gefängnis gedient hatte. Die Parallelen waren nicht zufällig: Mitorajs gebrochene römische Krieger in einem Bauwerk, das über zwei Jahrtausende immer wieder umgewidmet worden war, machten die archäologische Metapher explizit. Von diesem Moment an wurden die Centurione-Werke zu einem zentralen Bestandteil seines Ausstellungsprogramms.
In Pietrasanta — der toskanischen Stadt, in der Mitoraj ab Mitte der 1980er-Jahre sein Atelier unterhielt — erschienen Centurione-Bronzen regelmäßig in Galeriepräsentationen und bei den Freilichtaufstellungen, die das kulturelle Leben der Stadt in der Sommersaison prägten. Pietrasantas Gießereien, vor allem Fonderia Mariani und Del Chiaro, fertigten die autorisierten Editionen; die Werke wurden direkt aus dem Atelier und über angeschlossene Galerien in ganz Italien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz verkauft.
Besonders aufgeladen ist die Beziehung zwischen der Centurione-Serie und Mitorajs Pompeji-Installationen von 2011. Als das Parco Archeologico di Pompei Mitoraj einlud, Werke zwischen den Ruinen aufzustellen, wurden die gepanzerten römischen Figuren — darunter Centurione-Varianten — in Kontexten platziert, in denen die Bronzefiguren und das erhaltene Mauerwerk annähernd gleich alt und ähnlich verwittert waren. Die Installation verwandelte das kleinformatige Sammlerstück in ein größeres Argument: Hier standen Bronzesoldaten in den Ruinen der Zivilisation, die sie hervorgebracht hatte — das Kunstobjekt und sein historischer Ort in einem dauerhaften, ungeklärten Dialog.
Sammlermarkt — Maßstab, Patina und Provenienz
Der kleinformatige Centurione II (1986, Auflage 1500 + 30 HC) mit ca. 18,5 cm ist die am häufigsten im Sammlermarkt anzutreffende Centurione-Arbeit. Eine größere Schreibtischedition von ca. 35–40 cm ist seltener auf Auktionen zu finden und erzielt deutlich höhere Preise. Monumentalversionen im Bereich von 70 cm bis zur vollen Aufstellungsgröße wurden in sehr geringen Stückzahlen produziert und kommen selten auf den Markt; wenn sie erscheinen, ziehen sie ernsthafte Konkurrenz unter institutionellen Käufern und bedeutenden Privatsammlern an.
Die drei dokumentierten Patinavarianten für den kleinen Centurione II sind: die standardmäßige dunkelbraun-schwarze Patina, die den Großteil der 1500-Guss-Auflage ausmacht; die grün-oxid-Patina, die seltener ist und von Sammlern leicht bevorzugt wird, die möchten, dass die Oberfläche archäologisch gealtert wirkt statt frisch gegossen; sowie eine vergoldete Ausführung bei einer kleinen Anzahl von Galerie-Editionen, die über bestimmte autorisierte Händler ausgegeben wurden. Die vergoldeten Exemplare erzielen keine konsistente Prämie — die Reaktionen auf die Goldoberfläche sind unter Sammlern gespalten —, aber ihre relative Seltenheit macht sie bei Auktionen interessant.
Im Vergleich zu anderen Werken im Mitoraj-Kleinformatmarkt ist der Centurione II ähnlich einzustufen wie die kleinen Tindaro-Screpolato-Editionen und die kleineren Eros-Bendato-Bronzen — Werke, die Mitorajs gesamtes ikonographisches Programm in einem handhabbaren Maßstab tragen. Zustand und Provenienz bleiben die wichtigsten Variablen. Exemplare mit Atelier-Mitoraj-Zertifikat, originaler Pietrasanta-Gießerei-Dokumentation und der originalen Präsentationsbox repräsentieren das obere Marktsegment.
Künstlerischer Kontext — Die Rüstungswerke
Centurione II gehört zu einer kohärenten Werkreihe, in der Mitoraj römische Militärkleidung als Thema nimmt und dann systematisch den Körper entfernt oder beschädigt, den die Kleidung schützen soll. Die Corazza Media ist das unmittelbar verwandte Werk: Wo der Centurione Kopf und Helm behandelt, behandelt die Corazza Brust und Brustpanzer — die lorica musculata der römischen Generalrüstung, die als Bronzeabdruck eines entfernten Körpers überlebt. Beide Werke bilden gemeinsam eine Art zerstreute klassische Figur: der Helm hier, der Brustpanzer dort, der Körper, der einst beides füllte, in beiden Werken abwesend.
Der Angelo Fasciato — der bandagierte Engel — erweitert die Logik in einen anderen Bereich. Wo Centurione und Corazza äußere Militärrüstung als Verdeckungsmechanismus nutzen, verwendet der Angelo Fasciato Bandagen und Umhüllungen, das medizinische und funeräre Vokabular statt des militärischen. Allen drei Werken liegt dasselbe Grundthema zugrunde: Die schützende oder definierende äußere Form hat überlebt; was sie schützte oder definierte, hat es nicht. Im Centurione entfaltet sich das über die römische Militärtradition — der Centurio als Inbegriff römischer imperialer Autorität — und was Mitoraj darin findet, ist nicht Heroismus, sondern Verletzlichkeit.
Mitoraj sprach offen über seine Beziehung zur römischen Antike als Quelle von Form und Thema. Seine Jahre in Pietrasanta — in einer Stadt arbeitend, die Michelangelo Marmor geliefert hatte, umgeben von den Gusstraditionen der toskanischen Bronzeplastik — gaben ihm täglichen Zugang zum klassischen Erbe, das andere europäische Bildhauer vor allem durch Museen kannten. Das römische Militär war ein wiederkehrendes Element in seinem ikonographischen Vokabular, nicht als Zeichen der Kriegerverherrlichung, sondern als Register des Zivilisationsgedächtnisses: die Rüstung, die überlebt, wenn das Imperium es nicht tut; der Helm, der den Soldaten überdauert; der Brustpanzer, der die Form des Körpers bewahrt, nachdem der Körper selbst verschwunden ist.
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